Gedanken

Die Mehrwertgeilheit

Sie lähmt mich wie nichts anderes. Jeder Beitrag den man schreibt, muss klar durchdacht und einen Mehrwert/Nutzen für den Leser haben. Schlechte und nicht arrangierte Fotos sind verpönt. Und wehe man empfiehlt seinem Leser – den man eigentlich eher als Freund oder Bekannten sieht – etwas, das man sich letztens gekauft und für gut befunden hat, OHNE zu kennzeichnen, ob da nun eine Kooperation stattfand oder nicht. Und selbst wenn man kennzeichnet, dass keine Kooperation stattfand, wird man der Lüge bezichtigt. Das Bloggen besteht heutzutage nur noch aus schneller, besser, weiter. Scheißegal wie oft es ähnliche Beiträge schon im Internet gibt, der eigene ist garantiert besser. Dabei haben die Blogger völlig vergessen was ein Blog ursprünglich ist und war.

“Das oder auch der Blog /blɔg/ oder auch Weblog /ˈwɛb.lɔg/ (Wortkreuzung aus engl. Web und Log für Logbuch) ist ein auf einer Website geführtes und damit meist öffentlich einsehbares Tagebuch oder Journal, in dem mindestens eine Person, der Blogger, international auch Weblogger genannt, Aufzeichnungen führt, Sachverhalte protokolliert („postet“) oder Gedanken niederschreibt.”

Seite „Blog“. In: Wikipedia, Die freie Enzyklopädie. Bearbeitungsstand: 9. August 2016, 19:38 UTC. URL: https://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Blog&oldid=156866394 (Abgerufen: 24. August 2016, 14:57 UTC)

Mein Blog war immer eine Art Zuhause für mich, eine Tür die ich für Freunde – manche davon noch unbekannt – geöffnet habe. Ein kleiner Einblick in mein Leben und meine Gedanken. Damit verbunden waren natürlich auch immer Bücher, weil sie zu meiner großen Leidenschaft zählen und die Abnahme. Ich wollte hier immer nur erzählen was ich tolles neues entdeckt habe, was gerade so in meinem Leben passiert und natürlich auch mal, wenn ich schlechte Erfahrungen gemacht habe.

Wenn ich mich jetzt an einen Blogartikel setze, denke ich immer darüber nach wie viel er “wert” ist. Bin ich denn wirklich der Mehrwertgeilheit zum Opfer gefallen? Ich befürchte ja. Zwar möchte ich für euch lesenswerte Beiträge schreiben, aber ich möchte mich eigentlich auch nicht verbiegen. Ich möchte nicht so tun als wäre ich jemand, der ich nicht bin. In den letzten Wochen und Monaten wurde es recht stil um mich, da ich nicht recht wusste wie ich damit umgehen soll. Ehrlich gesagt bin ich es leid. Die meisten Dinge die ich schreiben könnte, seien es nun Rezensionen, Rezepte oder sonst irgendwelche Anleitungen, gibt es schon zuhauf im Internet. Warum sollte ich noch einen zusätzlichen “Abklatsch” davon produzieren. Man steckt Herzblut hinein und jede Menge Zeit an Recherche um am Ende einen Artikel geschrieben zu haben, den man in ähnlicher Form auch an anderer Stelle im Internet wieder findet.

In der letzten Zeit habe ich mich viel damit beschäftigt was mich glücklich macht, wer ich bin… also wer ich tatsächlich bin, wer ich sein möchte und DAS möchte ich nicht sein. Ich möchte niemand sein, der sein Essen hübsch herrichtet um es dann für den Blog zu fotografieren. Schließlich möchte ich es noch essen, wenn es warm ist und nicht durch irgendwelche Foodfotografie-Tricks verderben. Ich werde auch NIEMALS eine extra Portion kochen, damit ich es lackieren oder mit Glanzspray einnebeln kann, denn das empfinde ich als Verschwendung. Da denke ich dann immer an jene Menschen die hungern müssen, während ich Essen lackiere um es zu fotografieren und wegzuschmeißen. Natürlich geht das auch ohne diese ganzen Tricks, aber dann wird der Rest eben aufwendiger oder nicht so schön, wie es sein müsste, damit der Blog den Mehrwert erfüllt der erwartet wird. Ich mache auch prinzipiell keine Fotos im Restaurant, weil ich es meinem Gegenüber als unhöflich empfinde. Mein Handy ist in den meisten Fällen sogar in der Handtasche, weil ich Zeit mit meinen Freunden und nicht mit dem Handy verbringen will.

Ich werde niemals Produkte testen mit denen ich nichts anfangen kann, nur weil ich sie umsonst kriege. Was hab ich davon? Gar nichts. Ich empfehle lieber Dinge/Orte die ich selbst entdeckt und für gut befunden habe. Nur leider stehen wir da wieder vor dem oben genannten Problem, denn ich werde nicht gerne Lügnerin genannt. Wer mich kennt weiß, dass ich eine ehrliche Haut bin und genauso werde ich es auch in Zukunft handhaben. Empfehlungen (Bücher ausgenommen) kommen ja sowieso nicht so oft vor.

Ich verzichte auf die Mehrwertgeilheit die sich als Mehrwertlüge entpuppt. Viele wissen gar nicht wovon sie reden, wenn sie davon reden und das empfinde ich als äußerst peinlich. Gerade in Dingen in denen ich mich auskenne und feststelle was manche Blogger für einen Blödsinn in ihren Artikeln verzapfen. Ich sage nichts dagegen, wenn man Dinge auf eigene Faust lernt, aber stellt euch bitte nicht hin als wärt ihr Profis in dem Gebiet, wenn ihr nicht ordentlich recherchiert habt.

In Zukunft möchte ich wieder mehr von meinem Leben berichten, denn das ist es was meinen Blog ausgemacht hat. LEBEN!

11 thoughts on “Die Mehrwertgeilheit

  1. Ach, wie toll geschrieben und genau was ich auch denke. Darum ist es bei mir auf der Seite auch so still. Ich bin im gleichen Dilemma, alles muss toll sein, “lesenwert mit Mehrwert” ach, herrje……..

    Einfach schreiben! Das sind ja die Dinge, die ich selber auch am liebsten lese. Wenn ich einen Blog lesen, will ich ja einen kleinen persönlichen Teil des Bloggers erleben. Einen kleinen Teil seines Lebens, den er/sie mit anderen teilt. Rezensionen gibt es auf Amazon, sogar mit kleinen Sternchen dabei, die will ich in einem Blog meistens nicht sehen. Doch es ist einfach schwer. Was soll ich mit anderen teilen? Was aus meinem Leben gehört nur mir und was gebe ich allen? Ach, so viel Denkerei.

    Keine Ahnung wann ich wieder was schreibe, ich habe sogar die 12v12 nicht gepostet. Zwar brav viele Motive fotografiert aber keinen Artikel veröffentlicht. Tja. Mal sehen wie es weitergeht.

    Vieles hat sich auf Instagram verlagert. Dort bin ich oft und sehe auch viele alte bekannte Blogger. Das entspricht wohl der neuen Geschwindigkeit im Netz: Ein schnelles Bild mit einem Satz ist einfacher als ein längerer Artikel. Und nur ein Foto mit Beschreibung postet niemand auf einem Blog. Nicht mehr, dazu gibt es Instagram. Ist auch ok so.

    So, genug gesuddert, ich ziehe weiter auf meiner RSS-Tour.
    Alles liebe Shanee und bis bald 😉

    1. Ich kann dich wirklich gut verstehen. Und ich finde es sehr schade, dass es dir genauso geht, denn ich lese deinen Blog unheimlich gerne, wenn ich auch oft zu selten kommentiere. ^^”

      Ja… manche Zeit verbringe ich dann auch lieber auf Instagram, weil ich eben auch das Gefühl habe, dass die Blogger dorthin auswandern. Also vorallem jene Blogger die früher persönliches gepostet haben. Das hat ja heute nichts mehr auf dem Blog zu suchen, denn der muss ja Mehrwert bieten und Teufelskreis! Jaja… so ist das leider.

      Ich für meinen Teil mache bei dem Mehrwert nicht mehr mit. Das stresst mich viel zu sehr und bloggen ist einfach mein Hobby und es soll Spaß machen. 🙂

      Bis bald 😉

  2. Find ich gut!
    Früher waren Blogs ja insgesamt persönlicher, aber das hat sich in den letzten Jahren irgendwie gelegt. Das liegt natürlich auch daran, dass viele Blogger ihre Inhalte verkaufen und denken, dass das besser geht, wenn es sich möglichst wie in einschlägigen Magazinen oder Zeitungen anhört.
    Dass dabei ein ganzes Stück der Persönlichkeit verloren geht, merken die meisten nicht – oder es ist ihnen nicht wichtig.

    Ich freu mich darum auf das, was hier kommt 🙂

  3. Oh ja, da sprichst du ein Thema an, über das ich auch immer wieder nachdenke. Es ist ja schon fast nervig, wie man mit Artikeln in dieser Richtung zugespamt wird. Alles muss einen Mehrwert für die Leser haben…
    Nur sind wir mal ehrlich: wie viele dieser vermeintlichen Posts haben den auch wirklich? Die meisten haben doch eher irgendeinen vielversprechenden Titel, der dich zwar klicken lässt, aber letztlich doch nicht weiter bringt…
    Und warum sollten nicht auch einfach gut geschriebene Texte oder kleine Anekdoten ihren Platz haben? Oder was auch immer…
    Dieser Mehrwert den alle Posts haben sollten, ist doch vor allem dadurch entstanden, dass immer mehr Leute mit ihrem Blog Geld verdienen möchten. Oder Produkte umsonst zugeschickt bekommen. Da zählen dann Klickzahlen und Follower usw.
    Aber wenn man sich nur noch daran orientiert, geht doch irgendwie die Individualität und Kreativität flöten. Weil halt jeder nur noch das macht, was vermeintlich geklickt wird…

    1. Ja das sehe ich auch so. Als plötzlich diese “Media Kit”-Seiten aufgetaucht sind, die jeder Blogger auf seiner Seite hatte, wurde ich auch irgendwie stutzig. Ich habe darüber nachgedacht warum das relevant sein sollte. Denn für mich ist es das nicht und wird es nie sein. Ich brauche keine Statistik wie oft mein Blog geklickt wird oder ein einzelner Beitrag davon, wie viele Follower ich habe oder wie viele Kommentare. Zu sagen das interessiert mich nicht, wäre gelogen, aber es interessiert mich nicht in diesem Ausmaß. Natürlich freue ich mich, wenn ein Artikel gut ankommt, aber deswegen werde ich mich NIEMALS selbst verraten. Und da war ich leider kurz davor. Gut, dass ich die Notbremse noch rechtzeitig gefunden und gezogen habe. 🙂

  4. Huhu meine Liebe,

    ich verstehe ganz genau was du meinst! Auch mir macht das immer mehr Sorgen. So oft lösche ich angefangene Beiträge und denke mir: was bringt das meinen Lesern? Dabei liiiiebe ich Beiträge die einfach frei von der Leber geschrieben sind und LEBEN beschreiben, nicht gekünsteltes darstellen. (Kunst ist natürlich auch schön 😛 ). Ich versuche da nun auch wieder etwas drauf zurück zu kommen, vielleicht können wir uns ja gegenseitig ermuntern?

    Und zu der Frage warum man Dinge “nochmal” schreiben sollte auch wenn sie im Internet schon zuhauf: Weil eben DU sie schreibst und du eine tolle Persönlichkeit hast und die immer in deine Texte einfließt, darum!

    Ich freu mich immer, von dir zu Lesen 😉

    Liebste Grüße und Köpfchen hoch,
    drücker,
    Caro

    1. Hallo Liebes,
      das können wir gerne machen. Es wird zwar bei mir immer Buchrezensionen und Rezepte geben, aber eben auch wieder mehr Leben in meinen Blog bringen. Ich freue mich schon sehr darauf, was bei dir alles so kommt. 🙂

      Och… ist das süß! Vielen lieben Dank. :-* Ich freue mich sehr, dass dir meine Persönlichkeit so gut gefällt. Allerdings werde ich dennoch schon zum tausendstenmal durchgekaute Beiträge nicht nochmal durchkauen. Davon gibt es definitiv genug in der Internetwelt. ^^
      Aber bei allen anderen Beiträgen werde ich mir treu bleiben. Versprochen! ♥

      Liebe Grüße und einen festen Drücker zurück

  5. ein ganz klarer daumen hoch dafür für mich! weißt du, blogs sind grade derartig im wandel begriffen und soviele blogger mit herz haben aufgegeben, weil sie den “mehrwertkriterien” nicht zu entsprechen glauben. ich habe darüber ja auch schonmal was geschrieben, weil mich das thema natürlich auch beschäftigt. ich bin nicht einer dieser mehrwertblogs und ich will es nicht sein – denn was ist der mehrwert dabei für MICH? mein blog ist meine spielwiese für meine blickwinkel der welt und damit ist es ohnehin einzigartig. ein paar menschen mögen das und freuen sich darüber und die sind meine leser. und alle anderen? brauche ich nicht. bitte hör nicht auf, ich finde es sehr schön, dass wir einander kennen und ohne den blog hätten wir uns nicht getroffen. DAS ist mein mehrwert.

    1. Blogs sind gerade wirklich sehr im Wandel. Ich bin mir nicht sicher ob mir dieser Wandel gefällt. :/ So sehe ich das eben auch. Mein Blog ist meine Spielwiese. Mein Blickwinkel auf die Welt. Ganz genau so! Ich habe gerne die Blogger hier, die meine Beiträge auch gerne lesen und genau das sind auch die Blogger die ich ansprechen möchte. 🙂

      Ach du meine Güte! Und dann tröpfeln doch tatsächlich zwei kleine Krokodilstränen über meine Wangen. Das ist ja so lieb und süß von dir. Und du hast RECHT!

      DAS ist genau der Mehrwert. Unser Mehrwert. ♥

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