Tagebuch

Siebenhunderteinunddreißig

Tage sind wir nun verheiratet. Anlässlich unseres zweiten Hochzeitstages, möchte ich nun ausführlicher darüber berichten. Eine kurze Zusammenfassung gab es ja bereits kurz nach der Hochzeit im Weekly Me 30 // 2015. Heute erzähle ich dir von der Vorbereitung und der Trauung, morgen kommt dann der Bericht über die Feier und das Fotoshooting. 😉

So close to reaching that famous happy end

So Close by John McLaughlin

Meine Eltern, Großeltern und ich saßen am Abend vor der Hochzeit noch auf der Terrasse, haben uns unterhalten, Anekdoten erzählt und Fingernägel lackiert. Tausendmal habe ich meine Nägel lackiert, denn immer wenn ich dachte, jetzt ist es zumindest trocken genug, dass ich entspannen kann, kam ich irgendwie an einen der Nägel und musste von vorne anfangen.

And everybody knew their part

Kung fu fighting by Carl Douglas

Der Morgen begann in meinem alten Kinderzimmer bereits um halb sieben, als mich meine Mama weckte. Der Prinz verbrachte den Abend zuvor bei seinem Trauzeugen und musste glücklicherweise nicht ganz so früh aufstehen. Doch unser Tag war gut durchgeplant und mit einigem Puffer versehen, um in “Notfällen” noch angemessen agieren zu können. So begann der Tag in aller Ruhe – aber eben nach Zeitplan – mit einer frischen Dusche, gefolgt von einem gemütlichen Frühstück. Mein Papa und ich brachten Mama schon einmal zum Friseur, damit wir auf dem Rückweg noch eine Kleinigkeit für die Hochzeit besorgen konnten. Während der Fahrt sangen wir beide zu »Kung Fu Fighting« und hatten jeden Menge Spaß.

Kurz darauf ging es dann für mich ans Eingemachte. Make Up und Haare wurden gemacht, die Trauzeugin kam hinzu und war völlig überrascht, dass ich immer noch nicht nervös, stattdessen aber total entspannt war. Natürlich macht man sich Gedanken ob alles klappt und was schief gehen könnte, aber der Prinz und ich waren zu diesem Zeitpunkt schon elf Jahre ein Paar und wussten wie Hürden zu meistern sind. Das gibt einem jede Menge Ruhe und Kraft.

I’ll be here patiently waiting

I Won’t Give Up by Jason Mraz

Nach dem Friseur ging dann alles ziemlich fix. Kaum zurück, schlüpfte ich auch schon in sämtliche Unterkleidung die man als Braut so trägt und stieg ins Kleid, pünktlich zum Schnüren des Kleides kam dann auch die Trauzeugin vom Friseur und half beim Ankleiden. Als ich fertig angekleidet war, ging ich die Treppen hinab und zog erst unten meine Brautschuhe an, weil ich einen möglichen Sturz verhindern wollte. Lieber mal auf Nummer sicher gehen. Staunende Blicke der Großeltern und schon fuhr das frisch geputzte Brautauto vor. Die Fahrt als Karawane verlief zügig und mit nur einem Zwischenstop um noch einmal kurz etwas abzusprechen.

Während mein Papa und ich zur Floristin fuhren um den Brautstrauß und den Autoschmuck abzuholen, spaltete sich der restliche Teil der Karawane ab und begab sich schon einmal zum Ort der Trauung. Der Autoschmuck wurde auf der Haube befestigt und noch bevor wir losfuhren, erhielt ich eine Nachricht, dass wir noch etwas verzögern müssen, weil das Brautpaar vor uns noch nicht fertig war. Der Herr Papa fand schnell – in der Nähe des Trausaals – einen Parkplatz auf dem wir uns verstecken konnten bis die vorherige Trauung beendet war und unsere Gäste in den Saal verschwunden sind. Kaum bekam ich das »GO!« fuhren wir auch schon vor.

Stella del mattino

by Carl Douglas

ertönte, als mein Papa die Tür zum Trausaal öffnete. Kurz zuvor fragte er mich, ob alles okay sei und ich beantwortete dies noch mit einem lockeren »Ja, alles bestens!« Als die Tür sich nun also öffnete, die Musik erklang, schoss mein Puls von Null auf 180. Ich erinnere mich eigentlich nur noch daran wie sehr ich mich darauf konzentrierte nicht zu stolpern und an ein paar Gesichter die zu mir blickten. Aber vor allem erinnere ich mich an das Gesicht meines Prinzen. Sein zartes Lächeln und die Liebe in seinen Augen. Etwas, das ich für immer so im Herzen behalten werde. Ich schritt nun also mit meinem Papa an meiner Seite den Gang entlang, an unseren Gästen vorbei und direkt auf meinen Prinzen zu. Mein Herz klopfte noch eine Weile so laut, dass ich nicht einmal genau mitbekommen habe, was die Standesbeamtin sagte, doch die Nähe meines Mannes beruhigte mich.

The river flows in you

by Yiruma

haben wir uns als Lied für’s Anstecken der Trauringe ausgesucht. Übrigens: In den Flitterwochen hat dieses Lied ein Hotelgast auf dem Klavier in der Lobby gespielt, als wir gerade vom Abendessen zum Strandspaziergang aufbrechen wollten. Wir hielten natürlich inne und genossen diesen wunderbaren Moment. Es war jedenfalls ein sehr schöner Moment, als wir uns gegenseitig die Ringe angesteckt haben. Der Prinz und ich haben uns dafür entschieden die Ringe an der linken Hand zu tragen, wie es überwiegend auf der Welt normal ist und auch auf Anraten unserer Goldschmiedin – eine gute Freundin von uns, die unsere Ringe auch angefertigt hat.

Und zu guter Letzt spielte die Pianistin

Fields of Gold,

by Sting

während die Gäste sich erhoben um uns zu gratulieren, zu umarmen und nützliche Weisheiten mit uns zu teilen. Der ein oder andere – auch so manch einer von dem ich es nicht erwartet hätte – hat ein Tränchen verdrückt. Ich übrigens auch, allerdings schon weit vorher OBWOHL ich mir vorgenommen hatte nicht zu weinen. Doch irgendwann begann ich zu blinzeln und mein Papa hat das mitbekommen, reicht mir ein Taschentuch und genau in dem Moment war es vorbei. Ich konnte die Krokodilstränen nicht mehr zurück halten. Glücklicherweise waren es nicht viele, aber dennoch.

Game of Thrones

by Ramin Djawadi

Als wir mit den Verabschiedungen durch waren, machten wir uns auf den Weg nach unten zum Sektempfang und den kleinen Häppchen. Und dann ertönte eine weitere Überraschung. Ein Dudelsackspieler, engagiert von meinen Eltern, der als Hochzeitsgeschenk für uns spielte. Zu Amazing Grace kamen wir aus dem Trausaal und lauschten ihm unten im Foyer noch ein wenig, während er Scotland the Brave spielte. Auch während des Sektempfangs hörten wir noch das ein oder andere Lied und zwischenzeitlich war er dann bei uns im Raum. Hat sich mit uns und den anderen Gästen unterhalten. Es war eine gelungene Überraschung, gefolgt von einer weiteren: die Tradition des Nürnberger Brautbechers (worum es dabei genau geht, habe ich dir hier verlinkt). Ein Kelch der mich schon als Kind faszinierte. Es hieß immer »Wenn du ein mal heiratest, dann…« und dann passierte es tatsächlich. Irgendwann wird dieser Becher bei uns auf dem Kamin stehen und unsere zukünftigen Kinder faszinieren.

Während wir nach draußen gingen ertönte das letzte Lied und die vermutlich größte Überraschung des Tages. Naja vielleicht auch nicht die größte, aber definitiv eine der größten: Das Titellied von Game of Thrones. Das wir nicht beide mit gegrölt haben, war ja schon ein Wunder. *haha* Es war jedenfalls wunderschön. Oliver – der Dudelsackspieler – hat das auf jeden Fall sehr gut gemacht und unsere Herzen zum Hüpfen gebracht. Dieses Lied bedeutete in diesem Moment einfach so viel, vor allem aber, dass der “schwierigste” Part nun vorbei war. Man konnte uns die Erleichterung förmlich ansehen.

Der Prinz und ich lauschten draußen noch den letzten Tönen der Melodie, als langsam auch die restliche Gesellschaft rausgetrudelt kam. Alle verteilen sich auf ihre Autos und namen, wenn Platz noch unmotorisierte Gäste mit. Der Herr Papa und von nun an auch Schwiegervater hatte bereits das Hochzeitsauto vorgefahren und die Tür für uns geöffnet. Doch war meine kleine Nichte schneller als wir. Sie hüpfte ins Auto und griff schon mal nach der Tür. Quasi ein “Los jetzt!”

So begab sich nun die Hochzeitsgesellschaft auf den Weg zur Feierlocation.


Fotografiert hat auf unserer Hochzeit, natürlich unsere Haus- und Hoffotografin Sandra Koller

7 thoughts on “Siebenhunderteinunddreißig

  1. ach wie schön! ihr beide seht ganz wunderbar aus, dein kleid ist so toll und ihr strahlt richtig um die wette <3 danke, dass du den tollen beitrag geteilt hast meine liebe!

    1. Danke Liebes! ♥ Das Kleid ist auch wirklich ein wunderschönes Stück. Ich habe mich sofort in dieses Kleid verliebt, als ich es im Brautmodengeschäft anprobieren durfe. 😀 Es hat mir wirklich Spaß gemacht, nach zwei Jahren wieder in den Erinnerungen zu schwelgen. ♥

    1. Oh wie lieb von dir Steffi. Danke! ♥
      Für uns war es auch unsere Traumhochzeit. Wir würden es vermutlich nicht anders machen. 🙂

      Liebe Grüße und fühl dich zurück gedrückt. 😀

  2. Hach, wie schön ♥ Das liest sich wirklich wie der schönste Tag eures Lebens.
    Ich wünsche euch noch ganz viele wunderbare Jahre zusammen.

Leave a Reply

Your email address will not be published. Required fields are marked *